Dezentraler Breitbandausbau macht Märchen wahr

Bayka lieferte rund 150 Kilometer Kabel für das Bürgernetz des Main-Kinzig-Kreises

Roth, August 2016. Landauf, landab übernehmen dezentrale Initiativen die Verantwortung – sei es für die Nutzung regenerativer Energien oder den Breitbandausbau. Dem hessischen Main-Kinzig-Kreis gelang ein regionales Vorzeigeprojekt: er schuf in Eigenregie den Zugang seiner Bürger zum schnellen Internet. Das Vorhaben wurde in Rekordzeit und auch noch 10 % unter dem veranschlagten Kostenrahmen über die Bühne gebracht. Rund 150 Kilometer Kupferkabel lieferte die Bayka AG für das schnelle VDSL-Netz.

Es war einmal ein Landkreis mit ehrgeizigen Plänen. Den Verantwortlichen des Main-Kinzig-Kreises, in dessen wirtschaftlich und kulturell bedeutendster Stadt Hanau vor mehr als 200 Jahren die weltberühmten Gebrüder Grimm geboren wurden, erschienen die verfügbaren Internetgeschwindigkeiten alles andere als märchenhaft.

Wie überall in Deutschland hängt auch im größten Landkreis Hessens die Entscheidung für einen Standort als Lebensmittelpunkt oder Firmensitz maßgeblich vom Breitbandausbau ab. Und so sollten bis in die ländlichen Gebiete hinein die Bürger Zugang zum schnellen Internet haben. Doch bei einer europaweiten Ausschreibung fand sich 2011 kein Unternehmen, das den flächendeckenden Aufbau eines Breitbandnetzes anbieten wollte.

Ein Jahr später beschloss die Kommunalpolitik daher, den Breitbandausbau in Eigenregie durchzuführen.
Im September 2015 nach zwei Jahren Bauzeit konnte ein großes Breitbandfest gefeiert werden: 150 Ortsteile mit 130.000 Haushalten hatten nun Zugriff auf Bandbreiten zwischen 25 und überwiegend 50 Mbit pro Sekunde.


M-net als regionaler Partner

Gelnhausen Gelnhausen: alte Kaiserstadt mit schnellem Internet ©shutterstock


FTTH (fibre-to-the-home), also eine durchgängige Glasfaserverkabelung von den Vermittlungsstellen bis in die Wohnung, war nicht finanzierbar. Man entschied sich daher für ein VDSL-Netz bei dem für die Datenübertragung auf den letzten Metern die vorhandene Kupferkabel-Infrastruktur genutzt wird.

Mehr als 1.100 Kabelverteiler, überwiegend sogenannte Outdoor-DSLAMs, die als dezentrale Vermittlungsstellen fungieren, wurden neu errichtet. Mehr als 650 Kilometer Glasfaserkabel sowie noch einmal mehr als 150 Kilometer Kupferkabel wurden unter der Regie der neu gegründeten, landkreiseigenen Breitband Main-Kinzig GmbH verlegt.

Die Finanzierung der Investitionssumme von insgesamt 44 Millionen Euro für den Netzausbau erfolgte über Breitbanddarlehen der WI-Bank und ein Betriebsmitteldarlehen des Main-Kinzig-Kreises. Nach einer europaweiten Ausschreibung stieg die M-Net als Partner für die Installation der aktiven technischen Komponenten und die Telekommunikationsdienste in das Projekt mit ein.


Kupferkabel – ein Relikt aus der Vergangenheit?


Der Glasfaser gehört die Zukunft, darin sind sich alle Experten einig. Warum aber werden auch bei aktuellen Netzausbauprojekten immer noch Kupferkabel verlegt?

Dazu Martin Ludwig, Vertriebsleiter der Bayka AG:
„Für die Netzbetreiber sind die riesigen Investitionssummen, die für den sofortigen Umstieg auf Glasfasernetze notwendig wären, nicht auf einmal zu stemmen. Wir sprechen hier alleine in Deutschland von geschätzt 80 bis 100 Milliarden Euro. Mit VDSL, also Fibre-to-the-Curb-Technologie, geht man sozusagen einen bezahlbaren und für die Anwohner und Gewerbetreibenden zumutbaren Zwischenschritt. Für den Ausbau wie im Fall des Main-Kinzig-Kreises werden Kupferkabel wie BayCom® von Bayka als Querkabel von herkömmlichen Kabelverzweigern zu DSLAMs, als Verstärkungsleitungen oder auch als Ersatz für schadhafte alte Kupferkabel verbaut.“